Zum Sehen

Peter Thomann

Peter_Thomann_bPeter Thomann (geboren 1940 in Berlin) ist der Sohn des Bildhauers Ernst Thomann und der Malerin Margret Thomann-Hegner. Thomann wuchs in Emmendingen auf, absolvierte eine Fotografen-Lehre und studierte von 1960 bis 1965 Bildjournalistik bei Prof. Dr. Otto Steinert an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen.

Von 1968 bis 2005 war Thomann als Bildjournalist für den Stern in der ganzen Welt unterwegs. Seine Fotoreportagen (u.a. „Inselbesitzer in aller Welt“, „Die Mauer“) wurden vielfach ausgezeichnet. Für das Stern-Buch und die Serie „Preußen ohne Legende“ fotografierte er 1978 Spuren deutscher Geschichte in Westdeutschland, der DDR, Polen und Frankreich und erhielt den World Press Photo Award in der Kategorie Art + Science.

In seinen Arbeiten als freischaffender Künstler setzt Thomann überwiegend die klassische analoge Schwarz-Weiß-Fotografie ein. Eines seiner Lieblingsmotive sind Pferde. Thomann ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Alle Bilder Copyright © by Peter Thomann

Das Werk

1963, die Welt steht am Abgrund. Kuba-Krise und Kalter Krieg ängstigen die Menschen. Der Papst stirbt, Adenauer tritt zurück, Kennedy wird nur wenige Monate nach seiner berühmten Berliner Rede erschossen und große Teile der Welt blicken pessimistisch in die Zukunft.

In diesem Umfeld gelingt einem Studenten das Bild des Jahres. Der junge Mann heißt Peter Thomann und studiert Bildjourna- listik bei einer lebenden Legende – bei Prof. Dr. Otto Steinert. Ein einziges Mal drückt Thomann auf den Auslöser seiner Kamera – das reicht, um den perfekten Moment einzufangen. Die „Stute mit Fohlen“ („The Soul of a Horse“) gewinnt den World Press Photo Award in der Kategorie Features und den Preis der Publikumsjury für das beste Foto des Jahres. Und warum? Weil es in einer Zeit der Bedrohung und Unsicherheit für Frieden und Freiheit steht, weil es dem Wunsch der Menschen nach einem sorgenfreien Leben ohne Angst vor Krieg und Zerstörung Ausdruck gibt.

Für den Dortmunder Professor Adolf Clemens ist das Bild aus dem Münsterland eine „fotografische Ikone“. In Kentucky ziert „The Soul of a Horse“ die Kennzeichen von Millionen Kraftfahrzeugen und wird 1996 als meistkopiertes Foto aller Zeiten ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.

Dass er nicht nur ein begnadeter Tierfotograf ist, beweist Thomann ein Jahr nach seiner ersten großen Auszeichnung: 1964 gewinnt er mit seiner Aufnahme aus den Gassen von Marrakesch (links) erneut den World Press Photo Award.

Im Jahr drauf heuert Peter Thomann beim Stern an, damals das Maß aller Dinge im Bildjournalismus. Seine Reportagereisen führen ihn in aller Herren Länder. Als Vertreter des klassischen Bildjournalismus zeigt er den Deutschen die Welt. Authentisch und analog fotografiert, nicht digital verfremdet. Bei Thomann entstehen Bilder mit Leica oder Nikon – nicht mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop.

Er gibt Themen ein Gesicht, verbindet seine Kunst mit dem Handwerkszeug des Journalisten und zeigt die Welt von ei- ner menschlichen Seite. Bis 2005 sind im Stern immer wieder große Strecken von ihm zu sehen, dazu eine ganze Reihe aufsehenerregender Titelgeschichten zu den unterschiedlichsten Themen.

Als freischaffender Künstler reizt ihn dagegen immer wieder ein Thema, ein Motiv: Pferde. Wilde Pferde. Niemand fotografiert die Tiere so wie Peter

Genuss im Park

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Offenburger Tageblatt (PDF)
Offenburger Tageblatt – Gesamtes Interview (PDF)
Badische Zeitung (Link)

Was macht eigentlich?

eIMG_5984Dietrich Schuchardt

Um Themen aus Natur und Kultur, aus Geschich- te und Mythologie kreist die fabelhaft bunte Bild- welt des Offenburger Ma- lers und Zeichners Diet- rich Schuchardt. Schuchardts Wurzeln lie- gen auf Rügen. Am Valen- tinstag 1945 kam er in der Klinik Bergen zur Welt – gemeinsam mit seiner Mutter floh er damals aus Hinterpommern vor der nahenden Roten Armee. Erst verschlug es die Familie nach Erfurt, dann weiter nach Offen- burg, wo er seit seinem 10. Lebensjahr lebt.

Schuchardt arbeitete für die weit über die Grenzen der Ortenau hinaus bekannte Glasplakatfabrik Borsi als Werbegrafiker, ehe er am Pädagogischen Fachinstitut Gengenbach studierte und von 1969 an als Fachlehrer für Bildende Kunst und Technik in Hof- weier unterrichtete.

Seine Maltechnik umfasst Zeichnungen und Gouachen, sowie mit Aquarellfarben handkolorierte Kupferstiche. Dabei arbeitet er mit hohem Zeitaufwand in altmeisterlicher Genauigkeit. Inzwischen ist Schuchardt weithin als bedeutender Vertreter der Gegenwart des Surrealismus anerkannt, was auch seine weit über 100 Einzel- ausstellungen belegen.

Die Ausstellung

Mythische Themen und Traumwelten, Fabeln und Kosmologien beschäftigen die Menschen seit Urzeiten. So entstanden um 1500 am Oberrhein die visionären Schöpfungen Grünewalds, ein Jahr- hundert später verlieh Bosch den träumerischen Gedanken seiner Zeit ihren expressiv-manieristischen Ausdruck.

Als sich in Europa neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen Bahn brachen, schufen Goya und Füssli Bilder, in de- nen sich Wirklichkeit und Alptraum verwoben. In dieser Tradition entstanden symbolistische, surreale Bildwelten, die bis in unsere Gegenwart reichen. Gustave Moreau, Arnold Böcklin und Max Klinger entwickelten Phantasien und Symbolismen, die in der Fol- ge Max Ernst und Salvador Dali zum Surrealismus führten.

Dietrich Schuchardts Werke verbinden Elemente all dieser Stilrich- tungen zu einem neuen Ganzen – gleichzeitig aber verweisen sie den Betrachter auf dessen eigenes Denken und Fühlen.

Akribischer Naturalismus charakterisiert Schuchardts Malerei. Sensible Formensprache sowie expressive Farbigkeit undLichtin- szenierungen verbinden sich mit Themen aus dem Kosmos eines Gartens, der vertrauten Landschaft von Rheinebene und Schwarz- wald sowie dem Fundus seiner Reisen.

Vieles findet motivischen Widerhall: Blumen, Insekten, Vögel, Menschen und Fabelwesen. Der Maler schildert den Wechsel der Natur, er zeigt Landschaften mit wuchernder Vegetation und be- schwört die magischen Energien der Elemente. Die fünf Sinne des Menschen, aber auch das Urereignis der Menschheitsgeschichte – Paradies und Sündenfall – sind Themen seiner Arbeiten. Seine Bilder sind keine reinen Abbildungen des Gesehenen. Sie zeigen eine erfundene Welt, in der Pflanzen, Tiere, Menschen und Land- schaften einander auf phantastische Art und Weise begegnen.

Seine Werke rufen Vorstellungen hervor, die über das Augen- scheinliche hinaus gehen. Die Gemälde und Zeichnungen zeigen Reichtum und Vielfalt der Schöpfung, lassen neben dem Sichtba- ren aber auch das Unsichtbare – Gedanken und Gefühle – bild- haft werden. Schönheit, Klarheit und Licht bilden eine Seite dieser Welt; das Dunkle, Verschlungene und das Rätselhafte treten hin- zu. Eine eindimensionale Erklärung ist so natürlich nicht möglich – vielmehr fordern die Bilder zum Dialog auf.

Der Aufbau

Die Vernissage

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Offenburer Tageblatt
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Tag der offenen Ateliers

Tag der offenen Ateliers am 21. und 22. 09. 11 – 17.00 geöffnet

Wir präsentieren exclusiv die Edition Offenburg von Wolff& Tritschler und präsentieren ein Schlüsselwerk von Robert Häusser

Vertrautes Unbekanntes

Holger Krellmann

jutHolger Krellmann malt und gestaltet schon immer gern. Diese Leidenschaft führt ihn schließlich ins grafische Gewerbe – er wird Retuscheur.

Kunst hat ganz viel mit Berufung zu tun, und die muss man erst bei sich entdecken, sagt er. Krellmann studiert Mathematik, arbeitet als Informatiker – gibt es einen Beruf, der weiter weg von künstlerischer Betätigung ist?

Vielleicht ist es eine Art Ausgleich, dass sich Krellmann gerade in dieser Zeit seiner künstlerischen Veranlagung erinnert. Erst Pastell, dann Öl, schließlich Aquarell. Dazu ein ein paar Stunden Skizzieren, ein bisschen Zeichnen. Irgendwann fühlt er sich reif für ein Aquarellstudium. Krellmann lernt technische Feinheiten und entwickelt eine ganz eigene Auffassung von Aquarellmalerei.

Er hat immer gern gezeichnet, auch Experimente mit Holzschnitt und Gips kennzeichnen seinen künstlerischen Werdegang. Doch inzwischen ist er durch seine Ausstellungen so sehr auf Aquarelle festgelegt, dass etwas anderes keinen Sinn mehr macht. Die Menschen lieben seine Werke – und auch wenn er immer neue Elemente in seine Kunst einbaut, seine Werke zeichnen sich durch einen charakteristischen Stil aus und in der Regel heißt es dann: „Aha, wieder ein echter Krellmann“!

Die Werke

Gestalterisches Element in Krellmanns Bildern ist die Farbe Weiß, die in fast allen seiner Werke eine wichtige Rolle spielt. Der Auftrag der Farben erfolgt zügig und schnell, wird erst am Schluss verfeinert. Da Tiefen und Feinausarbeitung erst spät erfolgen, ist die Entwicklung eines Bildes fast wie ein Blindflug, weil dem Betrachter fast bis zum Ende der unmittelbare Eindruck verschlossen bleibt. Aber die Entscheidung – soll es unfertig bleiben oder fehlt noch etwas? – diese Entscheidung bleibt bis zum Schluss.

Über allem aber steht eine gelungene Komposition, ohne die jede noch so große Bemühung vergeblich bleiben muss.

Krellmann liebt in seinen Werken die Abwechslung: mal sind es Porträts und Bewegungsstudien, mal Landschaftseindrücke und Architekturen (wie etwa eine Bahnhofshalle), mal sind es emotio- nale Ausdrucksstudien (wie beim Thema Musik), mal Reisenotizen oder einfach nur Abstraktionen.

Sein Anliegen ist es, vom Klischeebild der reinen Landschaftsbilder wegzukommen und die vielen Möglichkeiten der Aquarellmalerei aufzuzeigen. Sein Kredo ist immer geblieben: Das Wort Aquarell sollte man mit Freiheit ins Deutsche übersetzen.

„Kunst ist die Freiheit, die man sich nimmt. Erst wenn man dies verstanden hat, wird man auf seinem Weg weiterkommen“, sagt Holger Krellmann – und damit hat er sicher recht.

Die Wirkung

Erkennbare Absicht in den Werken ist es, Einzelheiten des Motivs auf seine Licht- und Schattenwirkung hin zu reduzieren. Da nun einmal die Wirkung eines Aquarells ganz besonders von einer ausgewogenen Komposition abhängt, ist es unumgänglich, gelegentliche Änderungen im Bildaufbau vorzunehmen, die in der Realität nicht zu finden sind, aber das Motiv umso besser beschreiben. Strukturierende Wirkung hat in allen Bildern Krellmanns das Papierweiß, um größere Leichtigkeit zu erzeugen und den Blick des Be- trachters auf einen bestimmten Punkt zu lenken oder eine Farbe besser zur Geltung zu bringen.

Die Ausstellung

Unsere Krellmann-Ausstellung zeigt Motive, die einem ver- traut erscheinen: hier die Offenburger Hauptstraße, dort ein idyllischer Winkel mit Flusslandschaft (woher kenne ich das bloß?) und dann wieder ein Panorama, das sich bestimmt irgendwo in der Ortenau versteckt.

Oft beschleicht einen das Gefühl, vor südlichen Motiven zu stehen – aber was soll dieser Hohlweg im Schnee?

Manches erkennt man sofort, anderes muss man erst neu entdecken. Im Ganzen zeigt diese Ausstellung farbenfrohe Werke, die Neugier wecken auf mehr.

Innerhalb der Ausstellung sieht man unterschiedliche Aquarell-Stilrichtungen, die aber in ihrer Gesamtheit einen einheitlichen Duktus darstellen.

Ausstellung im Gasthof Sonne

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Schatten . Schichten

Sabine Große

sabine_GroßeDen Diskurs einer Malerei jenseits der Malerei dürfte diesen Sommer im Badischen eine Ausstellung in den Offenburger Marx Galleries beflügeln: Die teils großformatigen Arbeiten der Künstlerin Sabine Große reißen den Betrachter hinein in ein Farbenspiel mit Erdtönen der unterschiedlichsten Couleur oder knallbunte Pigmenten. Doch sich überlagernde negative Menschenschatten lassen Zweifel aufkommen, daß es sich hier um Malerei im klassischen Sinne handelt.

Tatsächlich hat hier keine Künstlerhand gewirkt, sondern im Sinne Talbots, einem der Mitentdecker der Photographie, tobte vielmehr der „Pinsel der Natur“. Akteur ist das Licht der Sonne, das Schatten von Gegenständen zeichnet. Um diese zu fixieren, fertigt Sabine Große seit 1998 in einem besondern Edeldruckverfahren, dem Gummidruck, mittels Pigmenten lichtempfindliche Schichten auf schwerem Papier und exponiert diese mit aufgelegten Gegenständen dem Sonnenlicht. Dieser Vorgang wird bis zu sechs Mal wiederholt. Durch das abermalige Beschichten und Exponieren durchdringen sich die unterschiedlichen belichteten Schatten und fusionieren mit der Farbe zu einem phantomhaften Etwas. Durch die matte, mitunter samtene Oberfläche und das Sfumato der weichen Töne wird die malerische Wirkung noch gar verstärkt.

Auf diese Weise schafft Große atemberaubendes Schattenbilder, in denen sich geisterhaft die Schatten von Menschen, objets trouvés oder Naturgegenständen durchdringen. Sabine Große ist es damit gelungen, neue Akzente in dem Feld des Ganzkörperphotogramms neben Künstlern wie Floris M. Neusüss oder Adam Fuss zu setzen. Obgleich sie mit lichtempfindlichen Materialien arbeitet, macht die in Kaufungen bei Kassel lebende Künstler unmißverständlich klar, daß ihre Arbeiten keinen Photographien sind, sondern daß Schattenaufnahmen ganz anderen Gesetzen als kamerabasierte Aufnahmen gehorchen.

Sabine Große wurde 1960 in Stuttgart geboren. Nach einer Ausbildung als Sozialpädagogin in Mannheim arbeitete sie länger in der Jugendarbeit. Schließlich fand sie den Weg an die Kunsthochschule Kassel, wo sie bei Prof. Floris M. Neusüss studierte. Der Nestor des Photogramms attestiert ihren Arbeiten, daß sie „dem Photogramm nie gesehene Farbigkeiten beschert“ hat. Nach dem Studium ließ sie sich dauerhaft in Kaufungen bei Kassel nieder. Große war in wichtigen Ausstellungen in Deutschland, aber auch in Australien mit vertreten.

Auf der Ausstellung in Offenburg zeigt sie kleinformatige Arbeiten, wie z.B. die 20×40 cm großen „Meeres-Schatten“, die über mehrere Jahre hinweg auf der Nordseeinsel Oland entstanden. In Arbeiten wie „Im Walde“ und „Im Garten“ klingen Naturmotive, wie Blätter, Äste und Gräser in irdenen Tönen an. Ferner warten in den Marx Galleries auf den Besucher auch beeindruckende bis zu zwei Meter hohe Großformate. Schließlich bietet sich für die Kunstfreunde der Ortenau die einmalige Gelegenheit, sich von Sabine Große sogar ein persönliches Schattenportrait anfertigen zu lassen.

Der Aufbau

Zur Ausstellung spricht der Kurator der Ausstellung Tim Otto Roth (Oppenau/Köln). Roth gehört zu den weltweit führenden Experten für Schattenaufnahmen und Photogramme. 2001 gründete er das Portal www.photogram.org, seine zahlreichen Publikationen gelten als Standardwerke in der Forschung. 2006 leitete er zusammen mit Peter Weibel ein Symposium am ZKM Karlsruhe, das sich erstmals überhaupt dem Schattenbild explizit als Thema widmete. Derzeit promoviert er zu dem Thema an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Anläßlich der Ausstellung stellt Tim Otto Roth den nächsten Band seiner Publikationsreihe „Position“ vor, der sich in eingehender mit der „inversen Archäologie“ in Sabine Großes Oeuvre befaßt. Zu der neuen „Position“ erscheint eine Edition mit 30 Künstlerexemplaren zum Vorteilspreis, für die Sabine Große eigens kleine Originalarbeiten angefertigt hat.